Von Melle, Deutschland nach Benghazi, Libyen

Überführungsflug einer Tecnam P2006T

Klaus Kühl, Inhaber der Firma K-aircraft Jets & Props, schickt uns diesen hoch interessanten Bericht. Viel Spaß beim Lesen!

Am 28. Februar 2025 begann eine anspruchsvolle Überführung: Eine 2010 gebaute Tecnam P2006T, die ich als Alleinmakler an eine Flugschule in Zypern vermittelt hatte, sollte von Melle in Deutschland nach Benghazi in Libyen geflogen werden. Die Überführung stellte eine besondere Herausforderung dar, nicht nur wegen der langen Strecke, sondern auch aufgrund der denkbar ungünstigen Jahreszeit. Ein Flugzeug ohne Enteisungsanlage und ohne Druckkabine zu dieser Zeit durch Europa zu überführen, bedeutete eine sorgfältige Flugplanung und eine ständige Wetterüberwachung.

Die Flugplanung – Mehr als nur eine Route finden.

Die Planung eines solchen Ferry-Fluges umfasst weit mehr als nur die reine Strecke. Besonders wichtig waren:

• Die Wahl der geeigneten Flugplätze möglichst mit Mogas für die Tecnam P2006T.

• Die Wetterbedingungen entlang der Route, insbesondere das Risiko von Vereisung und Turbulenzen in den Alpen.

• Die begrenzte Reichweite des Flugzeugs, die regelmäßige Tankstopps notwendig machte.

• Die Dienstgipfelhöhe von nur 14.000 Fuß, die eine sichere Alpenüberquerung stark wetterabhängig machte.



Die Wetterbedingungen entlang der Route, insbesondere das Risiko von Vereisung und Turbulenzen in den Alpen und eine Dienstgipfelhöhe von nur 14.000 Fuß müssen bei der Planung für eine sichere Alpenüberquerung besonders berücksichtigt werden.

All diese Faktoren beeinflussten die Route erheblich und erforderten immer wieder Anpassungen an die tatsächlichen Bedingungen.

Tag 1: Von Melle nach Augsburg – Ein später Start mit Hindernissen.

Früh am Morgen begann die Reise mit einer Zugfahrt nach Melle, um das Flugzeug von den Verkäufern zu übernehmen. Wie so oft in Deutschland kam es auch diesmal zu Verspätungen im Bahnverkehr. Trotz des holprigen Beginns verlief der anschließende VFR-Flug nach Augsburg überraschend ruhig und reibungslos. Die untergehende Sonne tauchte die Landschaft in ein warmes Licht, als ich kurz nach Sonnenuntergang landete.



Vor dem Start in Melle.

Tag 2: Über die Alpen nach Terni und weiter nach Malta – Ein straffer Zeitplan.

Der zweite Tag hatte es in sich: Zwei lange Etappen standen bevor. Zunächst sollte es VFR über die Alpen nach Terni in Italien gehen. Doch bereits beim Blick aus dem Fenster und auf die Wetterkarten war klar: Der ursprüngliche Plan musste geändert werden. Dichter werdende Wolken zwangen dazu, einen Y-Flugplan aufzugeben – also zunächst IFR zu fliegen und später auf VFR umzuschalten.

Der Steigflug durch die dünne Wolkenschicht verlief bemerkenswert ruhig, und bereits in 2300 Fuß durchbrach die Tecnam die Wolken und wurde von strahlendem Sonnenschein empfangen. Die Aussicht auf die schneebedeckten Gipfel der Alpen war beeindruckend. Die Fluglotsen in Deutschland, Slowenien und Italien zeigten sich äußerst kooperativ und ermöglichten mehrere Abkürzungen entlang der geplanten Route. Besonders hilfreich war der Hinweis des FIS-Controllers, nach der Landung auf dem unkontrollierten Flugplatz in Terni unbedingt den Flugplan zu schließen – ein Detail, das in der Eile leicht übersehen werden könnte.



Hoch über den Alpen: dem Piloten wird langsam kalt.

In Terni angekommen, blieb keine Zeit zu verlieren: Schnell wurde getankt, der nächste Flugplan aufgegeben und die Reise fortgesetzt. Doch bevor es weiterging, nutzte ich die kurze Pause für zwei Telefonate mit interessierten Kunden. Zu meiner Freude einigten sich die beiden während des Gesprächs über den Kauf einer Saratoga. Den Kaufvertrag werde ich nach meiner Rückkehr vorbereiten – ein erfolgreicher Abschluss, der die Stimmung für die nächste Etappe deutlich hob.

Die zweite Etappe führte über das Mittelmeer nach Malta – diesmal mit einem Z-Flugplan: Zunächst VFR Richtung Süden, entlang malerischer Landschaften und einsamer Inseln, dann IFR an Palermo vorbei Richtung Malta.

Der Überflug des Tyrrhenischen Meeres hatte seine eigenen Herausforderungen. Die geplante Flughöhe von FL 110 musste aufgrund von Vereisungsbedingungen aufgegeben werden. Stattdessen ging es hinab in wärmere Luftschichten – doch das bedeutete auch, wieder nach Sichtflugregeln weiterzufliegen, da die IFR-Mindesthöhe nun unterschritten wurde.



Über dem Tyrrhenischen Meer beginnt mit Beginn der Nacht der Anflug auf Malta – ein ganz besonderes Erlebnis.

Der nächtliche Anflug auf Malta war ein besonderes Erlebnis: Die Lichter der Insel funkelten wie Edelsteine im Dunkeln, und der Controller führte mich nordöstlich entlang der Küstenlinie in den Endanflug auf die Bahn 23. Trotz der Müdigkeit nach einem langen Tag war dieser Anblick jede Anstrengung wert. Nach der Landung ging alles zügig: tanken, ein schnelles Abendessen und dann ab ins Hotel – der Wecker war schon gnadenlos auf 5:00 Uhr gestellt.

Tag 3: Frühstart nach Benghazi – Ein etwas anderer Morgen.

Der Morgen begann früher als gewünscht und im Hotel gab es um diese Uhrzeit weder Kaffee noch Frühstück. Mit leerem Magen ging es also zum Flughafen. Dort verschaffte ein kleines Frühstück im Terminal zumindest etwas Energie für die bevorstehende Etappe. Ein Croissant und ein schneller Kaffee boten zwar keine kulinarische Höchstleistung, halfen aber, die Müdigkeit zu vertreiben.

Der Handling Agent wartete bereits im Terminal, die Formalitäten waren schnell erledigt, die Rechnung über mehr als 400,- EUR für SLOTs und Gebühren bezahlt und ich hob pünktlich um 07:14 Uhr mit der Tecnam ab. Der Flug nach Benghazi verlief exakt nach Plan. Am Boden wehte ein kräftiger Wind mit bis zu 20 Knoten aus 140 Grad, doch in der Luft war der Höhenwind wie vorhergesagt schwach und umlaufend.



Im Anflug auf Benghazi in Libyen.

Nach rund drei Stunden Flugzeit erschien die Küste von Libyen am Horizont, und die Anspannung ließ etwas nach. Doch die Landung verlangte noch einmal volle Konzentration: Mit 15–20 Knoten Gegenwind dauert so ein 10NM Endanflug etwas länger. Schließlich setzte das Fahrwerk sicher auf der Piste von Benghazi auf – die Mission schien erfüllt. Doch kaum am Boden, folgte die nächste Überraschung: Der geplante Rückflug mit der Airline wurde gestrichen – die Heimreise musste um einen Tag verschoben werden. Der Flugzeugkäufer kümmerte sich aber um eine angenehme und sichere Unterkunft.

Tag 4: Ausreise aus Libyen und die Heimkehr.

Am nächsten Tag erwies sich der Assistent des Käufers als äußerst hilfreich: Er unterstützte bei der Ausreise aus Libyen und half dabei, die Formalitäten am Flughafen zu beschleunigen. Doch bei der Sicherheitskontrolle kam es zu einem unvorhergesehenen Zwischenfall: Der Rucksack wurde akribisch durchsucht, und der fehlende Stempel im Pass löste hektische Telefonate und eine nervenaufreibende Wartezeit am Gate aus. Erst als letzter Passagier gelang der Einstieg in den Airbus nach Istanbul.

Nach der unfreiwilligen Übernachtung und dem Zwischenstopp in Istanbul verlief der Weiterflug nach München ohne weitere Zwischenfälle. Am Flughafen wartete bereits meine bessere Hälfte auf mich – ein Anblick, der alle Strapazen und Pannen der letzten Tage schnell vergessen ließ.

Fazit: Eindrücke und Gedanken.

Ein solcher Ferryflug ist eine Erfahrung voller Herausforderungen und einzigartiger Eindrücke. Die Vielfalt der Landschaften, die kulturellen Unterschiede und die wechselnden Wetterbedingungen machen jeden Abschnitt besonders. Doch trotz aller Faszination bleibt die Erkenntnis, dass wir Menschen noch viel lernen müssen – vor allem im Umgang mit Energie und Ressourcen. Solange Automotoren stundenlang ungenutzt laufen, leere Kühlschränke in Hotels brummen und überflüssiger Müll die Umwelt belastet, bleibt die Frage offen, wie lange die Welt uns das noch verzeihen wird.



Ein solcher Ferryflug ist eine Erfahrung voller Herausforderungen und einzigartiger Eindrücke.

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